Nystagmus

Mit Nystagmus bezeichnet man unkontrollierbare, rhythmische Bewegungen eines Organs, üblicherweise jedoch der Augen, so dass Nystagmus auch mit „Augenzittern“ übersetzt werden kann. Er ist das typische Symptom des Schwindels. In der Klinik wird der (üblicherweise mit einer Richtung klassifizierte) Nystagmus nach der schnellen Phase der Augenbewegung benannt.Inhaltsverzeichnis


Physiologischer Nystagmus


Der physiologische Nystagmus dient dazu, das durch die Linse projizierte optische Bild so konstant auf der Netzhaut zu halten, dass eine Wahrnehmung möglich ist. Sowohl Bewegungen des betrachteten Objekts als auch Eigenbewegungen des Auges, des Kopfes und des gesamten Organismus im Raum führen zu Bewegungen des Lichtreizes auf der Netzhaut. Wenn die Winkelgeschwindigkeit dieser Lichtreflexe zu groß wird (>5°/s) kann das Bild nicht mehr scharf wahrgenommen werden. Bei Augen mit einer Retina wie beim Menschen ist es darüber hinaus sinnvoll, den Focus stets im Bereich des schärfsten Sehens (Fovea centralis) zu halten (siehe dazu Blickbewegung). Ein Beispiel für einen physiologischen Nystagmus ist der optokinetische Nystagmus, der auftritt, wenn sich Wahrnehmungsobjekte relativ zur Netzhaut kontinuierlich bewegen, etwa beim Blick aus einem fahrenden Zug.


Pathologischer Nystagmus


Ein Nystagmus kann dagegen auch krankhaften Ursprungs sein. In diesem Fall tritt die Augenzuckung in Ruhe auf; zu seiner Auslösung können allerdings vorher unter Umständen Provokationsbewegungen notwendig sein. Vor allem bestimmte Störungen in der Augenkontrolle bei Erkrankungen im Hirnstamm und Kleinhirn oder im vestibulären System aber auch bestimmte Drogen wie Ecstasy lösen einen Nystagmus aus. Er ist in diesen Fällen Ausdruck einer Fehlkoordination zwischen zwei wichtigen physiologischen Sinnen: dem Gleichgewichtssinn und dem Sehen.

Der krankhafte Nystagmus kann in einen peripheren und einen zentralen Nystagmus unterteilt werden. Der periphere Nystagmus tritt bei einer Schädigung des Gleichgewichtsorgans (Vestibularorgan) oder des Nervus vestibulocochlearis (8. Hirnnerv) auf. Eine Form des peripheren Nystagmus ist der benigne paroxysmale Lagerungsschwindel. Der zentrale Nystagmus ist dagegen Folge einer Schädigung im Gehirn.

Pathologische Nystagmusformen findet man auch bei Kleinkindern als kongenitalen (meist harmlosen) oder okulären Nystagmus (bei früh erworbenen Augenschäden), eine augenärztliche Untersuchung ist in jedem Fall angezeigt. Bei Kindern, insbesondere Kleinkindern, ist ein Nystagmus immer eine dringende Indikation, einen augenärztlichen Spezialisten für Kleinkinder und Babys aufzusuchen, da Nystagmus sehr häufig ein Anzeichen für das Vorliegen eines Albinismus oder anderer Augenerkrankungen sein kann, die in jedem Fall sofort behandelt werden müssen. Diese Spezialisten finden sich in den orthoptischen Abteilungen der Augenkliniken. Leider werden viele leichtere Formen des Albinismus nicht rechtzeitig diagnostiziert und die Kinder nicht ausreichend früh gefördert.


Untersuchungsmethoden


Um einen Nystagmus genauer zu beschreiben, wird bei der Untersuchung durch den Augenarzt, Hals-Nasen-Ohrenarzt oder Neurologen die sogenannte Frenzel-Brille eingesetzt. Mittels Elektronystagmographie (Elektrookulographie) kann die Augenbewegung und damit der Nystagmus aufgezeichnet und ausgewertet werden. Eine weitere apparative Untersuchungsmethode besteht in der Video-Okulographie.

Rotatorische Prüfung
Die rotatorischen Untersuchungen erfolgen auf einem Drehstuhl. Beim rotatorischen Nystagmus (auch vestibulärer Nystagmus genannt) kommt es zu einer langsamen horizontalen Augenbewegung gegen die Drehrichtung, gefolgt von schnellen, der Rotationsrichtung gleichgerichteten Rückstellbewegungen, um ein neues Objekt, wie oben beschrieben, in der Fovea centralis abzubilden. Der Nystagmus verläuft also mit der Drehrichtung. Mit Abbremsen des Drehstuhl kommt es hingegen (aufgrund der Trägheit der Endolymphe in den Bogengängen) zu einem postrotatorischen, der ursprünglichen Rotationsrichtung entgegengesetztem Nystagmus: Bei einer Rechtsdrehung kommt es demnach anfangs zu einem Rechts-Nystagmus, der mit Beendigung der Drehung in einen Links-Nystagmus übergeht. Dieser Nystagmus kann ebenso wie der unten beschriebene kalorische Nystagmus auch beim Gesunden beobachtet werden, wenn ihm durch die Frenzel-Brille die Möglichkeit zur Fixation genommen wurde.

Thermische Prüfung
Der kalorische Nystagmus entsteht durch Reizung des Vestibularorgans mit kaltem (30 °C) oder warmen (42 °C) Wasser im äußeren Gehörgang. Hierbei kommt es durch eine Änderung der Dichte der Flüssigkeit im Vestibularorgan (Endolymphe) zu einem Nystagmus. Die Richtung des kalorischen Nystagmus ist bei Einbringen von kaltem Wasser in den linken Gehörgang in Richtung des nicht-gespülten Gehörgangs, also nach rechts, bei warmem Wasser im linken Gehörgang in dieselbe Richtung, nach links. Merkspruch: "Der Nystagmus liebt die Wärme"
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