Netzhaut-Operation

Im fortgeschrittenen Stadium einer Netzhautablösung kann nur noch eine Augenoperation das Auge retten. Dabei wird versucht, die Netzhaut mit einer geeigneten Methode wieder zum Anliegen zu bringen, also die Tapete quasi wieder an der Unterlage anzuheften.

Wieweit eine solche Augenoperation wieder zu einem normalen Sehen verhilft, ist von vielen Faktoren abhängig, unter anderem von der Dauer der Ablösung, von der Art der Augenoperation, von der Grösse des abgelösten Teiles, von Vorschädigungen und anderem mehr.

Sofern der Patient aber rechtzeitig den Augenarzt aufgesucht hat, kann heute davon ausgegangen werden, dass sich wieder eine Sehkraft einstellt, welche Autofahren und lesen ermöglicht.

Eine Netzhaut-Operation ist immer eine komplizierte Sache und benötigt das Know-how und die Erfahrung eines spezialisierten Netzhaut-Chirurgen. Der Eingriff ist vorläufig noch immer mit einem stationären Krankenhausaufenthalt verbunden und kann nicht ambulant durchgeführt werden.

Welche Operations-Methode für das Auge in Frage kommt, entscheidet in der Regel der Operateur. Dabei spielen die Lage, Grösse und Dauer der Ablösung und die Anzahl der Löcher eine wesentliche Rolle.

Grundsätzlich gibt es zwei Methoden: Die eine, etwas ältere Methode, drückt mit einer Plombe und/oder Cerclage (Bändchen ums Auge), welche meistens aus Plastik oder Silikonmaterial bestehen, die Netzhaut wieder an den alten Ort. Um dieses Material am Auge zu befestigen, muss die Bindehaut entfernt werden und das Auge so gedreht, dass man von aussen an die Stelle kommt, wo sich innen das Loch befindet. Die Netzhaut wird mit einem Kältestift vorgängig verschweisst.

Die jüngere Methode arbeitet von innen, das heisst man eröffnet das Auge und geht über ganz schmale Kanäle (meist dünner als 1mm) ins Auge hinein. Dabei kann der Glaskörper, welcher zum Ausriss der Löcher geführt hat, entfernt (abgesaugt)werden und auch die Flüssigkeit, welche schon hinter die Netzhaut gelaufen ist, kann man wieder wegsaugen. Meist muss dann mittels Gas oder spezieller Flüssigkeiten (Perfluorocarbone, Silikonöle) die Netzhaut wieder an den alten Ort gedrückt werden. Das Gas resorbiert sich in der Regel von alleine, eignet sich also nur für kurzdauernde Behandlungen, die anderen Substanzen müssen später in einer zweiten Augenoperation wieder aus dem Auge entfernt werden und werden deshalb dann eingesetzt, wenn ein längerer ?Druck? auf die Netzhaut ausgeübt werden muss. (Ergänzend sei hier zum besseren Verständnis angemerkt, dass der Hohlraum im Auge bei fehlendem Glaskörper durch normales ?Körperwasser? (entspricht etwa der physiologischen Kochsalzlösung) ersetzt wird). Auch diese Methode wird meistens ergänzt durch eine (intraoperative) Laserbehandlung, mit der die Netzhaut zusätzlich verschweisst wird.
Nebenwirkungen? Spätschäden?

Je komplizierter die Netzhautablösung, und je komplizierter die Augenoperation, desto häufiger ist auch mit Problemen zu rechnen. Diese sind vielfältiger Natur und können hier nicht im einzelnen aufgezählt werden. Eine häufige Komplikation ist zum Beispiel die Ausbildung eines grünen oder grauen Stares.

Es kommt auch immer wieder vor, dass trotz optimaler Technik die Netzhaut nicht halten will und sich wieder ablöst, was dann zu einem weiteren Eingriff führt.

Wenn man aber nichts unternimmt, geht das Auge unweigerlich verloren und erblindet. Manchmal führt es auch später zu Schrumpfungen, chronischer Rötung oder Schmerzen, in schlimmen Fällen muss das Auge ganz entfernt werden. Deshalb ist es möglich, dass in extremen Situationen der Augenarzt zu einer Augenoperation rät, obwohl das Auge eigentlich gar nicht mehr viel sieht, um wenigstens das Auge als solches zu retten.

Meist aber genügt heute ein einziger Eingriff, und Auge und Sehkraft sind wieder in Ordnung. Entscheidend ist, dass sich der Patient mit entsprechenden Symptomen unverzüglich beim Augenarzt meldet!
Muss ich nach der Augenoperation auf bestimmte Dinge Rücksicht nehmen?

Nach einer Netzhautoperation ist das Auge zunächst sehr empfindlich, etwa 3 Wochen ist auf Tragen von Lasten, langes Bücken, Reiben im Auge, Berührung mit Schmutz und Flüssigkeiten (wie bei anderen Operationen auch) zu verzichten. Davon ausgenommen ist die Behandlung mit dem Laser, da dieser keine augeneröffnende Operation darstellt. Eine gewisse Überempfindlichkeit des Auges bleibt häufig über viele Jahre bestehen (vermehrtes Blendungsgefühl, Schmerzen bei Wetterwechsel etc.).

Bei allen Eingriffen ist zu beachten, dass die Netzhaut in den ersten Wochen keine Erschütterungen verträgt: Auf alle anstrengenden Tätigkeiten sollte also verzichtet werden (wenig Lesen, TV ist aber kein Problem). Je nach Eingriff sind weitere Dinge zu beachten: Ist Gas im Auge, darf man nicht in die Berge und muss häufig bestimmte Kopfhaltungen einnehmen, z.B. auf dem Bauch schlafen. Über diese speziellen Massnahmen wird der Patient jeweils vor und nach dem entsprechenden Eingriff orientiert.

Im weiteren Verlauf empfehlen wir, gewisse Sportarten wie z.B. Bungee-Jumping, Boxen oder Squash-Spielen zu vermeiden, auch Tauchen oder Fallschirm-Springen kann u.U. nicht mehr ausgeübt werden.

Ansonsten kann aber davon ausgegangen werden, dass heutzutage, wenn der Patient sich rechtzeitig beim Augenarzt meldet, die Netzhautablösung mit einem guten Resultat behandelt werden kann. Schwerwiegende Probleme und bleibende Schäden sind selten geworden.
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