Behandlung des Grauen Star

Eine medikamentöse Behandlung der bereits vorhandenen Linsentrübung mit Augentropfen ist erfolglos. Deshalb ist immer eine Operation erforderlich. Die Operation erfolgt durch die Entfernung der Linse und dem Einsetzen einer künstlichen Linse. Wir können mit unterschiedlichen Methoden operieren.

Der operative Zugang (Schnittführungen) wird unterschiedlich gewält. Als operative Hilfssubstanzen (Viskoelastica) stehen verschiedene zu Verfügung. Die Operation wird häufig in örtlicher Betäubung durchgeführt. In Ausnahmefällen und bei Kindern ist eine Vollnarkose erforderlich.


Intrakapsuläre Cataractextraktion (ICCE)
Die Linse wird insgesamt einschließlich der Linsenkapsel aus dem Auge entfernt. Zu diesem Zweck ist ein relativ großer Schnitt im Bereich der Lederhaut/Hornhaut (8-10mm)notwendig. Die Linse wird mit einem Kältestift eingefroren und komlett entfernt.

Eine künstliche Linse muß entweder in die vordere Augemkammer (Vorderkammerlinse) eingesetzt werden oder sie wird hinter die Regenbogenhaut in die Hinterkammer geschoben. Dann muß sie jedoch mittels Naht an der Regenbogenhaut oder an der Lederhaut befestigt werden.

Vorteile: Die Operationsmethode ist mit relativ gerigem operationstechnischen Aufwand möglich.

Nachteile: Da die Linse komplett entfernt wird, entsteht eine Verbindung zwischen vorderer Augenkammer und Glaskörperraum. Die Stabilität des Glaskörpers wird gestört und das Risiko einer Netzhautablösung steigt um etwa 6-8%. Aufgrund der fehlenden hinteren Kapsel können entzündungsfördernde Substanzen aus der vorderen Augenkammer in den Glaskörperraum gelangen und somit eine entzündliche Reaktion der Netzhaut verursachen (cystoides Maculaödem).

Diese Methode wird dann durchgeführt, wenn der Aufhängungsapparat der Linse (Zonulafasern) stark gedehnt und gelockert ist und die Linse im Auge verrutscht ist. Dies tritt bei bestimmten Bindegewebserkrankungen (Marphan-Syndrom) auf. Da die Operationsmethode einfach und mit geringem technischen Augwand möglich ist, kann sie sehr günstig zur Behandlung des Grauen Stares in Ländern der dritten Welt eingesetzt werden.


Extrakapsuläre Cataraktextraktion (ECCE)
Bei der ECCE wird die vordere Linsenkapsel schlitzförmig eröffnet und dann der Linsenkern ohne Zerkleinerung aus dem Auge entfernt. Die Rindenanteile der Linse werden abgesaugt. Der Kapselsack verbleibt als Halterung für die künstliche Linse im Auge. Für die ECCE ist eine relativ große Eröffnung des Augapfels (mindestens 7mm) erforderlich.

Vorteile: Da der Linsenkern ohne Zerkleinerung aus dem Kapselsack entfernt wird und während der Spülung die vordere Linsenkapsel noch vorhanden ist, schont dieses Verfahren die Hornhaut. Desshalb wird die ECCE bevorzugt bei bereits fortgeschrittenem Grauen Star mit bereits sehr dickem und hartem Linsenkern bzw. bei vorgeschädigtem Hornhautendothel angewendet. Für die ECCE ist ebenfalls ein sehr geringer technischer Aufwand erforderlich.

Nachteile: Der relativ große Schnitt muß mittels Naht verschlossen werden. Die Naht führt eine Zugwirkung auf die Hornhaut aus und bewirkt eine etwas stärkere Hornhautkrümmung. Diese bildet sich jedoch nach einigen Wochen bis Monaten zurück.


Phacoemulsifikation (Phaco)
Bei der Phacoemulsifikation wird der Linsenkern nicht komplett sondern zerteilt und aufgelöst abgesaugt. Die Zerteilung erfolgt mittels Ultraschall (klassisches und herkömmliches Phacoverfahren) bzw. mit Laser (YAG-Laser und Er:YAG-Laser). Bei der Phaco sind kleinere Schnitte in den Augapfel erforderlich.

Vorteil: Die Operation kann über einen Schnitt von 3,5mm erfolgen. Dieser wird möglich durch den Einsatz von faltbaren künstlichen Linsen. Durch den kleineren Schnitt entsteht eine kleinere Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) nach der Operation. Es ist früher möglich, eine Brille anzupassen bzw. der beruflichen Tätigkeit und gewohnten häuslichen Arbeiten nachzugehen.

Ultraschall-Phaco: Bei der klassischen Ultraschall-Phaco wird der Linsenkern mittels Ultraschall "zertrümmert" und gleichzeitig abgesaugt. Durch die Ultraschallwirkung können gewisse Turbulenzen eine Schädigung der Hornhaut verurachen. Desweiteren tritt bei einer längeren Ultraschall-Phaco eine deutliche Wärmeentwicklung im Bereich des Ultraschallapplikators auf. Bei harten Kernen und längerer Phacozeit können diese Wärmeschädigungen von Bedeutung sein.

Laser-Phaco: Die Laser-Phaco ist ein neues Verfahren. Die Zerkleinerung des Linsenkerns erfolgt mittels Laser. Die beste Wirkung wird mit einem Erbium YAC-Laser erreicht (Wellenlänge 2,94µm).

Vorteil: Vorteile der Laser-Phaco sind eine deutlich geringere Wärmeentwicklung und weniger Turbulenzen als bei der Ultraschall-Phaco. Bei Anwendung des Lasers kann die Operation über noch kleinere Schnitte erfolgen. Die Zerkleinerung kann besser gesteuert werden.

Nachteil: Andererseits bleibt das Verfahren zur Zeit auf weichere Linsenkerne beschränkt.


Schnittführungen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten das Auge durch Schnitte zu eröffnen. Bis heute werden speziell geschliffene Diamantmesser verwendet. Nach der Lage des Schnittes können verschiedene Schnitte unterschieden werden: Die Schnitte können verschieden angelegt werden.

Tunnelschnitt
Bei der Phacoemulsifikation, welche die häufigste Methode der Staroperation darstellt, wird in der Regel einTunnelschnitt präpariert. Dieser Tunnelschnitt wird als corneoskleraler Tunnel (2mm Lederhaut und 2mm Hornhaut) angelegt.

Stufenschnitt
Bei der ECCE-Technik wird in der Regel ein Stufenschnitt präpariert. Diese Schnittführung verheilt schnell. Der Stufenschnitt verläuft auch teilweise in der Lederhaut und teilweise in der Hornhaut.

Direkter Schnitt
Beim direkten Schnitt wird mit einem Schnitt der Zugang zur vorderen Augenkammer geschaffen. Diese Schnittführung kommt heute gelegentlich bei voroperierten Augen zur Anwendung.

Weiterführende Informationen

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