Grauer Star (Katarakt)

Die Katarakt, grauer Star, bezeichnet eine Trübung der Augenlinse. Betrachtet man Menschen, die an einer fortgeschrittenen Katarakt erkrankt waren, kann man die graue Färbung hinter der Pupille erkennen. Deswegen wird die Katarakt auch grauer Star genannt. Jedes Jahr werden in Deutschland rund 600.000 Operationen durchgeführt, bei denen die getrübte Linse durch ein künstliches Linsenimplantat ersetzt wird.

Sicht gesundes Auge Sicht erkranktes Auge



Symptome
Hauptsymptom ist ein langsamer, schmerzloser Sehverlust. Es kommt zum „Verschwommensehen“ und zur Blendung, da durch die Linsentrübung eine diffuse Brechung auftritt. Ebenfalls reduziert sich das Sehvermögen bei geringem Kontrast, sodass die Patienten die Welt „wie durch einen Nebel“ wahrnehmen. Gelegentlich werden auch Doppelbilder wahrgenommen, die beim Schließen des anderen Auges nicht verschwinden. Es werden um Lichtquellen Halos oder Lichthöfe wahrgenommen. Die Hell-Dunkel-Adaption des Auges ist behindert (verlangsamt). Die Fähigkeit, räumlich zu sehen, wird mehr und mehr eingeschränkt. Bei besonderen Unterformen des Grauen Stars kann es jedoch auch zu einer Verbesserung der Sehfähigkeit im Nah- oder Fernbereich eines zuvor kurz- oder weitsichtigen Auges kommen. Diese Visusverbesserungen sind in den meisten Fällen jedoch nur von kurzer Dauer (Monate).

Ursachen
Die häufigste Ursache des grauen Stars ist die schlechtere Nährstoffversorgung der Linse im Alter - er kann sich jedoch auch früher schon bilden. Röntgen-, Infrarot- und UV-Strahlung können die Augenlinse schädigen und so Grauen Star begünstigen. Masern, Diabetes, Reaktionen auf Medikamente (vor allem Cortison), Drogen oder Augenverletzungen können die Ursache sein, auch Infrarot-Strahlung in Berufen, die mit sehr heißen Materialien arbeiten (Hochofen-Arbeiter, Glasbläser). Masern und Röteln während der Schwangerschaft können ebenfalls Verursacher sein. In seltenen Fällen ist der Graue Star auch angeboren und muss dann aufgrund der Gefahr einer Amblyopie möglichst bald operiert werden. Die Krankheit bildet sich über Jahre aus, manchmal aber auch in wenigen Monaten.

Besonders in den Ländern Afrikas sind von der Krankheit viele Kinder betroffen, aufgrund von Mangelernährung.

Schutz durch Sonnenbrille?
Trotz gegenteiliger Vermutungen stellt UV-Licht keine nachweisbare Gefahr für die Entwicklung einer Katarakt dar. Das UV-Licht wird komplett von der Hornhaut oder auch von einer einfachen Glasscheibe absorbiert. Die gefährliche, vorübergehende Erblindung durch UV-Licht ist auf eine Schädigung der äußersten Hornhaut hervorgerufen (Verblitzung). Starke Lichtexposition könnte eher die Macula (Maculadegeneration) als die Linse schädigen.

Therapie
Während der Ausbildung des Grauen Stars muss die Brille, auf Grund der veränderten Brechkraft (Refraktion) des Auges, häufig angepasst werden. Hierbei bedingt die Verdickung der Linse eine zunehmende Myopisierung, also eine Zunahme der Kurzsichtigkeit. Das bedeutet für den am Grauen Star Erkrankten, dass er oft besser in die Nähe sehen kann als in die Ferne. Dieser Zustand wird in der Anfangsphase durch Angleichen der Brillenwerte ausgeglichen. Helfen diese Maßnahmen nicht mehr, wird die Linse operativ entfernt, und es wird eine Kunststofflinse eingesetzt. Außer dem chirurgischen Eingriff gibt es keine Möglichkeit, den Grauen Star zu behandeln. Diese Operation wird heute im allgemeinen ambulant durchgeführt. Ohne Implantation einer Kunstlinse (so genannte Intraokularlinsen) würde man die Welt verschwommen wahrnehmen, da das Auge dann extrem weitsichtig wäre (der Zustand, dass beide Augen unterschiedlich fehlsichtig sind, nennt sich auch Goetheblick). Solch eine Linsenlosigkeit (Aphakie) wird dann mit einer Starbrille oder Kontaktlinse korrigiert. Auch nach Implantation solch einer Kunstlinse kann das Auge nicht mehr akkomodieren (sich auf verschiedene Distanzen scharf einstellen). Deshalb ist dann zum Lesen, wie bei der Altersweitsichtigkeit (Presbyopie), eine Lesebrille erforderlich. Gegenstand der heutigen Forschung sind Kunstlinsen, die eine gewisse Akkomodationsfähigkeit des Auges erhalten sollen. Die Ergebnisse sind jedoch zurückhaltend zu beurteilen.

Mit der Implantation spezieller Intraokularlinsen eröffnet sich die Möglichkeit, Fehlsichtigkeiten zu korrigieren, sogar bei einer erheblichen Kurzsichtigkeit von -7 Dioptrien. In diesem Fall ist es jedoch aus medizinischer Sicht erforderlich, beide Augen nacheinander zu operieren. Der Patient muss sich vor der Operation entscheiden, ob er nach den Eingriffen lieber ohne Fernbrille, aber mit einer Lesebrille leben möchte oder umgekehrt, damit die geeigneten Kunstlinsen ausgewählt werden können. Der Patient hat sich auf einen verhältnismäßig langen Zeitraum einzustellen, bis er seinen gewohnten Lebensstil wieder aufnehmen kann: Zwischen der Operation des ersten und des folgenden Auges verstreichen sechs Wochen; anschließend ist eine weitere Wartezeit von sechs bis acht Wochen erforderlich, bis dem Patienten seine neue Brille angepasst werden kann.

Als Komplikationen können bei einer Kataraktoperation Infektionen, Glaskörpervorfall, Netzhautablösung, und später eine Eintrübung der hinteren Linsenkapsel („Nachstar“) auftreten. Durch Verkettung von Komplikationen kann eine Kataraktoperation theoretisch bis zur Erblindung führen.

Weiterführende Informationen

Impressum und Datenschutz   |   Sitemap   |   für Augenärzte